vereinfacht

Mit Power zur digitalen Transformation?
Dann sind Sie bei PEAX goldrichtig.

Blog
21.03.2018
rawpixel com 281361 unsplash

Instant Payments – «The New Normal»

Digitalisierung, FinTech, Disruption, Open Banking, Big Data, Tokenisation, Blockchain, Artificial Intelligence, Robo Advice ... sind nur einige Modebegriffe, wie sie aktuell in den sozialen Netzwerken unter den Hipstern der Finanzbranche herumgereicht werden. Jeder, der etwas auf sich hält, ist zumindest in einem Digitalisierungsprojekt eingespannt, kennt den Chief Digital Finance Officer persönlich oder spekuliert auf eine Versetzung an einen Hotspot der Branche nach London oder Singapur. 

Insbesondere im Payment-Umfeld wird nach wie vor viel Venture-Kapital investiert (gemäss KPMG International noch immer gegen 30 Milliarden pro Jahr weltweit). Hält man sich vor Augen, wie aktuell in der Schweiz noch bezahlt wird, liegt es auf der Hand, dass in diesem Umfeld noch viel Potential vorhanden ist. Dabei ist für einmal nicht die Oma gemeint, welche mit gelbem Büchlein in der Schlange am Postschalter steht. Auch bei sogenannten modernen Überweisungsmethoden via E-Banking stehen wir Samstag oder Sonntag vor dem geschlossenen virtuellen Bankschalter. 

Als Zahlungsverkehrsexperte werde ich von jüngeren Menschen oft gefragt, warum man schon seit Jahren eine E-Mail in Sekunden rund um den Globus schicken kann, aber eine elektronische Überweisung nach 14:00 Uhr am selben Tag nicht mehr ausgeführt wird.

Das haben auch die Banken erkannt und weltweit sind bereits einige «Instant Payments»- oder «Realtime»-Zahlungsverkehrssysteme im produktiven Einsatz. In Europa gelten England (Faster Payments) und Skandinavien (Siirto, NetsRT) als Vorreiter. 

Die neueste Europäische Initiative «SEPA Instant Payments» (SEPA Credit Transfer Inst, SCT Inst) basiert, wie der Name bereits erkennen lässt, auf dem SEPA-Verfahren (Single Euro Payments Area). Seit 2014 gilt in Europa per Gesetz, dass alle Länder der EU für das Bezahlen dieselben Standards verwenden und eine Zahlung in Europa gleich schnell sein muss und nicht teurer wie im Inland sein darf. Diese Basis soll nun dahingehend erweitert werden, dass solche Zahlungen in Sekunden abgewickelt werden, und zwar 7*24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Als Betragsgrenze (welche optional erhöht werden kann) hat das EPC (European Payments Council) 15'000 EUR angesetzt. 

Insbesondere die Möglichkeit auch grössere Beträge in Echtzeit übermitteln zu können, macht SEPA Instant Payments zu einer attraktiven Alternative auch im Business-to-Business Zahlungsverkehr. Szenarien wonach der Empfänger einer Ware im Hafen von Genua die Ladung via Mobile Device bezahlt und dann das Schiff entladen wird, sind realistische Anwendungsfälle. Auch im privaten Umfeld, kann z.B. die Bezahlung eines neuen Autos beim Händler in Sekunden via Handy erledigt werden. Der Erfolg von SEPA Instant Payments steht und fällt mit der Verfügbarkeit der Dienste bei den Finanzinstituten, welche im Gegensatz zu SEPA nicht verpflichtet sind, Instant Payments anzubieten. 

Erste SCT Inst Angebote wurden bereits im November 2017 lanciert (hauptsächlich in Spanien und Österreich) und Experten prognostizieren eine grössere Verbreitung in Europa für 2018. Dabei spielt auch die EZB (Europäische Zentralbank) eine bedeutende Rolle, da diese einen eigenen Dienst auf der Basis von TARGET, dem aktuellen System für die Abwicklung von Grossbetragszahlungen in EUR, per November 2018 angekündigt hat. Denn eine der grössten Herausforderungen bei den Banken ist die Verfügbarkeit von Liquidität an Wochenenden und Feiertagen. Hier ist die Zentralbank natürlich in einer privilegierten Position. 

Und was macht der Finanzplatz Schweiz? Die hiesigen Finanzinstitute stecken noch mitten im Projekt «Harmonisierung Zahlungsverkehr» und unternehmen grosse Anstrengungen ihre Kunden auf die neuen Standards und Verfahren zu migrieren. Daneben werden wie eingangs erwähnt Digitalisierungsprojekte am Laufband ins Leben gerufen. Es scheint so, dass Instant Payments noch nicht wirklich auf der Agenda der Bankmanager angekommen ist und falls doch, dann in der Form der Mobile Payments Lösung von TWINT, welche bei näherer Betrachtung mit den aktuell in Europa im Bau befindlichen Instant Payments Lösungen nicht viel gemeinsam hat, denn in unseren Nachbarländern ist Instant Payments schon bald «The New Normal».