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Blog
26.04.2018
samuel zeller 249294 unsplash

Digitalisierung in der Industrie

Der Wandel der IT von der Baustelle zum Fundament

Dashboards, Tablets, Big Data, Skalierung, IoT (Internet of Things) – so heissen die Schlagwörter der Industrie im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch und welchen Effekt hat dies auf Betriebe?

Per Touchscreen steuerbare Anlagen, volle Skalierbarkeit, Daten aller Bereiche in Echtzeit aus der Cloud, spielerische Bedienbarkeit hochkomplexer Abläufe. So ungefähr sieht der Industriebetrieb der Zukunft in den Augen der grossen Industrielieferanten und in den kühnsten Träumen mancher Betriebsleiter aus. Digitalisierung in diesem Ausmass ist inzwischen nicht mehr ferne Zukunftsmusik, sondern wird in den Kadern der Schweiz heiss diskutiert. Im Zentrum steht die grosse Frage, wie all dies umgesetzt werden kann, um nicht plötzlich in's Hintertreffen zu geraten.

Digitalisierung als vierte industrielle Revolution

Die Industrie war bisher geprägt von drei Revolutionen: Der Mechanisierung, die den Menschen von schwerer körperlicher Arbeit entlastete und in der Erfindung der Dampfmaschine (1769) ihren Meilenstein findet. Die Einführung der Massenproduktion mit Hilfe des Fliessbands durch Henry Ford (1913) sowie der Automatisierung von Prozessen durch die Einführung von Elektronik und IT in Form von Robotern (1961) und Mikroelektronik. Das 21. Jahrhundert ist gezeichnet von der Industrie 4.0. Darunter ist die digitale Revolution der Industrie zu verstehen, das heisst der Einsatz von Big Data und dem Internet of Things, dem Internet der Dinge, das die virtuelle Welt mit den Errungenschaften der drei industriellen Revolutionen in der physischen Welt in einer Infrastruktur miteinander verbindet. Die IT wandelt sich vom Hintergrundbereich und potenziellem Sorgenkind zum unabdingbaren Helfer der Mitarbeiter. Jedoch führt dieser Weg zunächst über Grundlagenarbeit wie der Prüfung und Schaffung von Standardisierungen, die möglichst nicht auf den Kunden abgewälzt, stattdessen zur internen Strukturierung führen.

Das Gadget wird State of the Art

Wer Prozesse digitalisieren will, wird unweigerlich dazu angehalten sein, diese zu analysieren, zu hinterfragen und möglichst schlank (lean) zu gestalten, um sie dann in die IT einzubinden. Dies führt zur Frage, welche physischen Abläufe sich in welcher Form digital erfassen lassen und welche Maschine überhaupt die gewünschten Daten weitergeben kann. Von der Anbindbarkeit einer Anlage in ein Netzwerk ganz abgesehen. Der Vorteil dieser Investition ist eine bisher unbekannte Möglichkeit, Daten auf einen Blick zu erhalten, miteinander zu vergleichen und zu steuern. Durch die Digitalisierung der Industrie sind Betriebe in der Lage, Maschinen und Prozesse über IT-Peripherie zu steuern sowie Informationen und Daten in bisher unbekannter Art und Weise wahlweise über Clouds miteinander zu verbinden, um sie auszuwerten. Maschinendaten werden in IT-Systeme eingespeist und erlauben dadurch sofortige Auswertungen und den Erhalt von Informationen. Diese Möglichkeiten machen beispielsweise das Tablet nicht mehr nur zum modernen Gadget, sondern zur kabellosen Bedienerperipherie, die dem Benutzer Daten nach seinen Wünschen in Form übersichtlicher Dashboards in Echtzeit darstellt. Das Erfassen, Vernetzen und Verwenden von Daten in Form von Big Data ist nicht mehr Zukunftsvision, sondern wird zum State of the Art, der Industriebetriebe zum Fortschritt zwingt. Die Seiten kehren sich: Spielerische Bedienbarkeit und Orientierung am Nutzer (Usability) werden erwartet - und nicht starre Systeme, denen sich die Bediener unterwerfen müssen. Digitalisierung wird zum Vehikel für Usability. 

Mit dem Fortschritt verbunden ist, dass die Erfassung von Daten aller Art zwar ein Schritt in Richtung Digitalisierung, aber nichts ohne Strategie und Ziel ist. Prozesse lassen sich zwar präzise verfolgen und Auswerten sowie Tendenzen und Perspektiven frühzeitig erkennen. Aber Big Data ist einerseits nichts ohne Big Idea, da die Daten ihrer Natur nach auf Vergangenheitswerten gründen.

Risiko Cyberattacken

Das kabellose Erfassen von Daten, Steuern von Anlagen und Anzeigen von Informationen beinhaltet jedoch ein systemisches Risiko in Form von Cybergefahren: Ist eine Cloud kompatibel mit der internen Compliance, der des Kunden oder jener des Industriezweigs? Was passiert, wenn sich ein Eindringling in's System einschleust, wenn Standard-Passwörter in IT-Prozessen verwendet werden? Wer hält mit allen Updates und Sicherheitsstandards mit? Sind die Mitarbeiter sich der Möglichkeiten, aber auch der Risiken einer Digitalisierung bewusst? Man rufe sich hierbei die Cyber-Sabotage des iranischen Atomprogrammes durch den Computerwurm Stuxnet in's Gedächtnis oder die weltweiten Folgen des WannaCry Wurms (Ransomware), der Daten unter anderem von Behörden, als auch Krankenhäusern verschlüsselte, um die Zahlung eines Betrags in der Kryptowährung Bitcoin zu erpressen. Hier bedarf es einer Sicherheitsstrategie mit Experten, die interne Netze und Geräte sicher konfigurieren, abschirmen und überwachen können, aber auch aufkeimende Gefahren und die „Cyber-Sicherheitslage“ im Blick haben. Regierungen haben bereits ganze Bereiche für die Cyberabwehr abkommandiert, das Ausmass möglicher Angriffe berücksichtigend. Betrafen Cyber-Angriffe bislang jeweils nur Computer, auf denen Schadsoftware ausgelöst wurde, sind jetzt auch alle verbundenen Systeme im Internet of Things betroffen. Dies schliesst nicht nur interne Geräte, Maschinen, Anlagen mit ein, sondern auch die Mitspieler (Zulieferer, Kunden) innerhalb einer Wirkungskette, die auf den Informationsfluss angewiesen sein können.

Die Digitalisierung der Industrie, kurz Industrie 4.0, bietet zwar eine neue Epoche an Möglichkeiten und Philosophien für die Organisation von Betrieben. Klar strukturierte Übersichtsseiten mit Daten nach Wunsch und Schiebereglern für das Verfolgen und Steuerung von Prozessen und Anlagen erinnern zwar an die gewohnt pragmatische Steuerung von Smartphones. Nicht unterschätzt werden dürfen aber die Ressourcen für die grundlegende Aufbauarbeit und die vielseitigen Wirkungsketten innerhalb eines Betriebs, die von der aktuellen Revolution betroffen sind.